Mitgliederrundschreiben 2016

Gemeinsames Mitgliederrundschreiben Nr. 2/24.02.2016

1. Mineralölbestandteile in Lebensmitteln
2. Perlwein und Technische Kohlensäure
3. Aromaverschleppung

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zu 1.: Mineralölbestandteile in Lebensmitteln

In den letzten Jahren sind Phtalate aus Kunststoffen oder Mineralölbestandteile aus Altpapier ins Gerede gekommen, die insbesondere durch Verpackungen auf Lebensmittel übergehen können. Ein großer Discounter hat sich nunmehr an die Getränkelieferanten gewandt und erklärt, dass er sich zum Ziel gemacht habe, dass bei den Eigenmarken des Sortiments seines Hauses keine Mineralölbestandteile in Lebensmitteln nachweisbar sein sollen. Die Lieferanten wurde aufgefordert Maßnahmen zu ergreifen, welche die Einhaltung dieser Vorgabe sicherstellen.

In unseren Bereich kommt bei der abgefüllten Flaschenware allenfalls der Verschluss als mögliche Migrationsquelle in Betracht. Im Übrigen könnte ein Risiko bei der Verwendung von Bag-in–Box gegeben sein.

Wir sind derzeit mit Verschluss- bzw. Bag-in-Box--Herstellern im Gespräch, um zu dem Thema zu sensibilisieren und bemühen uns um Bestätigungen, dass die produzierten Verschlüsse, BIBs als wirksame, funktionelle Barriere gegen eine Migration von Mineralöl wirken. Gerne schreiben wir auch die Unternehmen an, mit denen Sie zusammenarbeiten. Gegebenenfalls bitten wir Sie um einen Hinweis mit Firma und Adresse.

Zu 2.: Perlwein und Technische Kohlensäure

Ein Chemisches Untersuchungsamt hat einen italienischen, in zweiter Gärung hergestellten Perlwein beanstandet, der in Deutschland unter Zuhilfenahme von technischer Kohlensäure abgefüllt wurde. Als kritisch wurde angesehen, dass aufgrund der chemischen Analyse technische Kohlensäure in dem Produkt gefunden wurde. Das Chemische Untersuchungsamt vertritt hierzu die Auffassung, dass sehr wohl bekannt sei, dass im Rahmen eines weiteren Prozesses technische Kohlensäure übergehen könne, analog zur Problematik beim Schaumwein, diese Frage aber nur beim Schaumwein gelöst sei, hingegen beim Perlwein eine andere rechtliche Betrachtung greifen müsse. Ein Perlwein, der nachweislich technische Kohlensäure aufweise, müsse mit dem Hinweis „mit zugesetzter Kohlensäure" gekennzeichnet werden.

Wir sind wegen dieser eigenwilligen Interpretation mit den Behörden im Gespräch und nehmen gerne Ihren Hinweis entgegen, wenn auch Sie mit diesem Problem konfrontiert werden.

Zu 3.: Aromaverschleppung

Das Bundesministerium teilt inzwischen unsere Auffassung, dass Wein/Sekt, die sensorisch unauffällig sind, gleichwohl aber analytisch Aromapartikel aufweisen, unbeanstandet und verkehrsfähig sein sollten.

Das Bundesministerium hat nun zu dem Thema einen Forschungsauftrag angestoßen, der von der Hochschule Neustadt betreut werden wird. Ein maßgebliches Ziel der Untersuchung ist festzustellen, ob mit einer „branchenüblichen“ Reinigung, die Anlage (Füller) soweit neutralisiert werden kann, dass bei der anschließenden Abfüllung von Wein/Sekt sensorisch keine Feststellung mehr in Hinblick auf ein Aroma gemacht werden können. Problemtisch ist hier zunächst der Begriff „branchenüblich“. Wir wollen daher zunächst herausschälen, welche Reinigungsverfahren in den einzelnen Betrieben zur Anwendung kommen, um zu sehen, ob und wie der Begriff definiert werden kann.

Der Technische Ausschuss des Sektverbandes hat deswegen eine Excel-Datei erstellt, in der beispielhaft zwei Reinigungsszenarien im Hinblick auf die Methodik, aber auch auf ihren zeitlichen Ablauf dargestellt sind. Die Excel-Tabelle senden wir in den nächsten Tagen an Unternehmen, von denen wir wissen, dass sie in diesem Bereich tätig sind. Wir bitten Sie dann, die Tabelle um die Verfahren, die bei Ihnen zur Anwendung kommen zu ergänzen und die weiter aufgelisteten Fragen zu beantworten. Das Ganze erfolgt selbstverständlich anonymisiert. Selbstverständlich werden wir das Ergebnis der Umfrage den Unternehmen, die sich an der Beantwortung beteiligt haben, zur Verfügung stellen. Als Nebeneffekt kann aus der Zusammenstellung jedes einzelne Haus im Weiteren die eigene Reinigungsmethodik kritisch hinterfragen. Sollten Sie im Laufe der Woche nicht von uns kontaktiert werden und an der Untersuchung teilnehmen wollen, sprechen Sie uns bitte an.