Mitgliederrundschreiben 2016

Gemeinsames Mitgliederrundschreiben Nr. 3/21.04.2016

1. Perlwein und exogene Kohlensäure
2. Nochmals Perlwein und Kohlensäure
3. Überarbeitung der Durchführungsverordnungen 607/2009 und 606/2009
4. Laborvergleichsuntersuchung
5. Bio
6. Brasilien
7. Mineralölbestandteile in Lebensmitteln
8. Weinbaukonjunktur weltweit
9. Information über den skandinavischen Alkoholmarkt 2015
10. Geschäftskontakte

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zu 1.: Perlwein und exogene Kohlensäure

Mit Gemeinsamen Mitgliederrundschreiben vom 24.02.2016 hatten wir darüber berichtet, dass ein Chemisches Untersuchungsamt einen italienischen Perlwein, der in Deutschland unter Zuhilfenahme von technischer Kohlensäure abgefüllt wurde, beanstandet hat. Die chemische Analyse hatte ergeben, dass ein teilweiser Austausch zwischen endogener und exogener Kohlensäure stattgefunden hatte. Wir hatten uns darauf an die ADD gewandt und um Überprüfung dieser rechtlichen Einschätzung gebeten, Das nunmehr vorliegende Antwortschreiben der ADD bekräftigt die ursprüngliche Auffassung. Darin heißt es zusammengefasst:

1. Perlwein, der exogene Kohlensäure aufweist, kann nur als Perlwein mit zugesetzter Kohlensäure vermarktet werden.
2. „Im Gegensatz zu Schaumwein, bei dem in der Regel eine zweite alkoholische Gärung durch den Zusatz von Fülldosage ausgelöst wird, ist dies bei Perlwein nicht erlaubt“!! Die speziellen Herstellungsvorschriften für Schaumwein können nicht herangezogen werden.
3. Die Formulierung in der Legaldefinition für Perlwein „… auf endogenes gelöstes Kohlendioxid zurückzuführenden Überdruck…“ sei eindeutig.

Fazit: Perlwein darf analytisch keine exogenes CO2 aufweisen.

Allerdings, da es sich um gemeinschaftsrechtliche Vorschriften handelt, würde die ADD ihre Auslegung überprüfen, sobald eine andersartige Auskunft der EU-Kommission vorgelegt würde. Um dies in die Wege zu leiten, haben wir einen Termin bei der Kommission am Freitag dieser Woche vereinbart. Wir halten Sie unterrichtet.

Zu 2.: Nochmals Perlwein und Kohlensäure

Die Weinkontrolle problematisiert seit Kurzem das in Deutschland als „Carstens-Methode“ Anwendung findende Verfahren. Dabei wird endogene Kohlensäure, die aus der Vergärung einer Weinpartie stammt, einer anderen Partie zugesetzt, um so Perlwein herzustellen. Bislang war es common sense, dass derart einem Stillwein zugegebene endogene Kohlensäure nicht als „Zusatz“ von Kohlensäure deklariert werden muss. Auch Koch hat das in seiner Kommentierung unter dem Stichwort Perlwein, Ziffer 4.1.2 mit überzeugender Argumentation vertreten.

Nunmehr gibt es bei der Weinkontrolle offensichtlich Überlegungen, diese seit Jahren geübte Praxis zu beanstanden

Wir halten Sie unterrichtet.

Zu 3.: Überarbeitung der Durchführungsverordnungen 607/2009 und 606/2009

Im Rahmen des sogenannten „Lissabon-Prozesses“ ist die Kommission gehalten, die Durchführungsbestimmungen der önologischen Verfahren 606/2009 und zur Etikettierung 607/2009 zu überarbeiten. Deswegen hatten wir im Februar ein Treffen mit der Kommission und Kollegialverbänden im Verbandsbüro in Wiesbaden organisiert, um die ersten Entwürfe zu diskutieren. Hauptkritikpunkt, der auch schon in Brüssel zur Sprache kam, war die zunehmende Unübersichtlichkeit und Komplexität der rechtlichen Rahmenbedingungen, die immerhin Grundlage der Arbeit der in unserer Branche tätigen Unternehmen darstellen. Positiv zu vermerken war, dass zentrale Anliegen, wie beispielsweise der Schutz der Schaumweinflasche, auch in den Entwürfen erneut Berücksichtigung fanden.

Inzwischen hat die Kommission die vorgetragene Kritik aufgegriffen und die kompletten Entwürfe zurückgezogen. Die Arbeiten sollen erneut im September diesen Jahres aufgenommen werden. Zielvorgabe: Vereinfachung der Vorschriften.

Zu 4.: Laborvergleichsuntersuchung

Die seit Anfang des Jahres 2014 vom BWSI initiierte in Kooperation mit dem VDS durchgeführte sensorische Laborvergleichsuntersuchung wurde im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung im März nunmehr erfolgreich abgeschlossen.

An der Untersuchung haben acht renommierte Labore teilgenommen. Insgesamt wurden 14 Weine und 12 Schaumweine, die von unseren Mitgliedsunternehmen bereitgestellt wurden, einer sensorischen Beprobung durch die Labore unterzogen und durch die Geschäftsstelle des Verbandes in anonymisierter Form ausgewertet.

Im Verlauf des Ringversuchs gab es mehrere gemeinsame Sitzungen mit den einzelnen Laboren, bei denen sich über die ermittelten Ergebnisse ausgetauscht und diskutiert wurde. Ein Termin fand an der Hochschule Geisenheim unter der Leitung von Professor Jung statt, bei dem verschiedene Weine von den einzelnen Laboren unter Prüfbedingungen gemeinsam degustiert wurden.

Zwischen den teilnehmenden Laboren und Vertretern der Unternehmen besteht letztlich Einigkeit, dass eine vollständige Harmonisierung sensorischer Proben kaum zu realisieren ist, da viele verschiedene, nicht normbare Faktoren, eine Rolle spielen, dennoch hat die Untersuchung alle Teilnehmer im Hinblick auf ihre Bewertungspraxis sensibilisieren können. Zudem war im Laufe der Untersuchung eine gewisse Kalibrierung zu beobachten. Insgesamt wurde die LVU von allen Beteiligten als sehr gewinnbringend bewertet. Deshalb war man sich einig, die Untersuchung in Form von gemeinsamen halbjährlich stattfindenden Degustationsveranstaltungen unter fachkundiger Leitung fortzuführen, um sich gegenseitig zu „kalibrieren“ und auszutauschen.

Bei Interesse stellen wir Ihnen die Ergebnisse dieses wohl bisher einmaligen Ringversuchs gerne zur Verfügung.

Zu 5.: Bio

Mit Durchführungsverordnung (EU) 2016/459 vom 18. März 2016 wurde Kanada in die Liste derjenigen Länder aufgenommen, deren Produktions- und Kontrollregeln für ökologischen Wein denen der Verordnungen 834/2007 und 88/2008 gleichwertig sind.

Die Verordnung stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Zu 6.: Brasilien

Die brasilianischen Behörden (ANVISA) haben eine Verordnung zur Allergenkennzeichnung veröffentlicht, die im Juli diesen Jahres in Kraft treten soll. Bei Weinen könnte es in Zukunft ein Kennzeichnungserfordernis für den Klärstoff Hausenblase geben, denn in der Verordnung ist bestimmt, dass Hilfsstoffe, die von allergenen Stoffen stammen nur dann nicht deklariert werden müssen, sofern sie im Endprodukt nicht nachweisbar sind. Dies deckt sich für die meisten Allergene mit den EU-Regularien. Schwieriger gestaltet sich dies für den Hilfsstoff Hausenblase, welcher nach europäischem Recht auch dann nicht deklariert werden braucht, wenn Spuren im Endprodukt vorhanden sind, anders nach der brasilianischen Verordnung, die eine Kennzeichnung immer dann vorsieht, sobald Spuren nachweisbar sind, unabhängig von dem allergenen Potential. Eine Ausnahme vom Kennzeichnungserfordernis ist jedoch dann vorgesehen, wenn es durch den Hersteller nachweisbar ist, dass der Hilfsstoff keine Wirkung im Endprodukt mehr ausübt. Dem Vernehmen nach arbeiten brasilianische Hausenblaseproduzenten derzeit daran, eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten. Auch für Spirituosen wird es ein Kennzeichnungserfordernis geben, sofern diese aus Getreiden hergestellt werden, die allergenes Potenzial haben. Laut ANVISA kann nur dann von einem Kennzeichnungserfordernis abgesehen werden, wenn hinreichend begründete Nachweise erbracht werden, dass diese Rohstoffe in der Spirituose kein allergenes Potential mehr ausüben. Die diesbezüglich veröffentlichten Studien der EFSA seien zwar hilfreich, jedoch nicht ausreichend.
Wir halten Sie über den Fortgang der Angelegenheit unterrichtet.

Zu 7.: Mineralölbestandteile in Lebensmitteln

Zu diesem Thema (siehe auch unser Gemeinsames Mitgliederrundschreiben Nr. 2 vom 24.02.2016) haben wir kurzfristig einen Informationsaustausch mit dem Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), in das Programm der Mitgliederversammlung des BWSI aufgenommen. Den derzeitigen Stand der Diskussion können Sie gerne beim Verbandsbüro abrufen.

Zu 8.: Weinbaukonjunktur weltweit

Die OIV hat in ihrer letzten Sitzung vergangene Woche die Entwicklungen und Trends im Weinbau aufgezeigt. Danach haben die weltweiten Rebflächen einen leichten Rückgang um 7.000 ha zu verzeichnen. Allerdings sei die weltweite Weinerzeugung um 5,8 Millionen Hektoliter angestiegen. Dies korrespondiert mit einem weltweiten moderaten Anstieg des Weinkonsums. Auch der internationale Handel konnte eine Zunahme des Handelsvolumens und des Handelswertes verzeichnen. Den entsprechenden Vortrag des Generaldirektors Jean–Marie Aurand mit vielen sehr interessanten statistischen Daten übersenden wir Ihnen gerne auf Anfrage

Zu 9.: Information über den skandinavischen Alkoholmarkt 2015

Über unseren skandinavischen Kollegialverband erhielten wir eine aufschlussreiche Zusammenstellung über den skandinavischen Alkoholmarkt. Die Darstellung informiert über die grundsätzlichen Charakteristika des Alkoholsystems, die unterschiedliche Besteuerung der einzelnen Länder und alkoholischen Getränke, der Konsumpräferenzen der Verbraucher etc.. Die Dokumentation in Englisch (54 Seiten) übersenden wir Ihnen gerne auf Anfrage.

Zu 10.: Geschäftskontakte

- Ein Unternehmen aus Rumänien hat, auf der Suche nach Geschäftspartnern in Deutschland, Kontakt zu uns aufgenommen. Details zum Unternehmen finden Sie unter der Adresse: www.domeniulcoroanei.com. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Frau Cristina Barbu, eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder unter der Telefonnummer: +40 251 210 516.

- Kurzfristig wird uns aus Frankreich mitgeteilt, dass eine neue Messe in Paris speziell für „Schaumweine“ lanciert werden soll. Die Messe soll jährlich stattfinden. Dieses Jahr am 20./21. Juni in Parc Floral – Paris. Nähere Informationen erhalten Sie über das Verbandsbüro, respektive unter der Adresse www.bulles-expo.com